Herr K. steht am Anfang einer Demenz, lebt alleine zuhause und hat sehr selten Besuch. Sein Denken ist sehr in den Erinnerungen der Vergangenheit verhaftet. Immer wieder werden alte Erlebnisse aus der Versenkung geholt.
Eines Nachmittags habe ich ihn aufgefordert, einmal seine Hände zu betrachten und sie ganz genau zu beschreiben. Die Form der Hand, der einzelnen Finger, die Nägel, die Haut in ihrer Beschaffenheit und Farbe. Wenn er abgewichen ist oder zu schwärmerisch geworden ist, habe ich seine Gedanken wieder zurück gelenkt und konkretisiert. Wir kamen auf interessante Vergleiche, wie z. B. mit der Hundepfote. Schliesslich erkannten wir, dass alles in unserer Umgebung durch menschliche Hände geschaffen ist. Es entstand ein neues Gefühl für Materie und auch für die Mitmenschen.
Diese konkrete, klare Gedankenlinie mit möglichst objektiven Beschreibungen erzeugt eine angenehme Ruhe im Innern. Das wird gerade von Menschen mit einer demenziellen Erkrankung sehr geschätzt, die oft von so vielen Unruhen gepeinigt sind. Die Gedanken ordnen sich für ein paar Minuten und werden ganz in die reale Gegenwart geführt. Zudem entsteht noch ein ganz neues, feineres Gefühl für etwas ganz gewöhnliches, wie z. B. die eigenen Hände.
Herr K. hat sich zum Abschied noch einmal für dieses Erlebnis bedankt und mir noch eine Blume geschenkt.
