Irene's individuelle Seniorenbetreuung

Gemeinsam zu mehr Lebensfreude

Angst und Berührung

Angst tritt bei Menschen mit Demenz häufig auf. Kann man sich das wirklich vorstellen, was in diesen Menschen vorgeht? Sie verlieren so vieles. Sie äussern ihre Ängste wörtlich: „Ich habe solche Angst.“ Gleichzeitig sind sie in ständiger Unruhe. Was geht verborgen in ihrem Inneren vor?
Immer mehr zieht sich der Geist mit der Fähigkeit des klaren Verstandes zurück, gleichzeitig entwickelt sich ein feineres Fühlen. Die Gefühle können aber wiederum nicht mehr durch die Geisteskraft gelenkt und geordnet werden.

Vor allem vor dem Einschlafen verstärken sich bei Frau G. diese Ängste noch mehr. Sie steht viele Male wieder auf und irrt umher. Ich bleibe an ihrem Bett sitzen, streichle sie an der Schulter und am Arm mit sanften Berührungen. Sie bedankt sich dafür, wird langsam ruhiger. Sie spricht noch über Dinge, die sie beschäftigen, das Gesicht ist angespannt. Ich antworte nicht, setze ruhig die Berührungen fort. Sie gähnt. Nach ca. 10 Minuten ergibt sie sich dem Schlaf. Das Gesicht ist jetzt entspannt und als ich aufstehe, öffnet sie nochmals die Augen. Ich winke ihr verabschiedend zu, verlasse leise den Raum. Sie lächelt mir zu und schläft ein.

Durch die Berührung spürt der demente Mensch seinen Körper wieder besser, fühlt sich wieder besser mit ihm verbunden und ist beruhigt.
Die Hinwendung des pflegenden Menschen geht nur, wenn Zeit vorhanden ist und eine gewisse Grundatmosphäre von Ruhe. Diese Menschen spüren jeglichen Stress, auch wenn man ihn nicht offen zeigt. Und auf geheimnisvolle Weise können sie auch unsere Gedanken lesen, fühlen sich dadurch angenommen und verstanden oder eben abgewiesen und nicht wahrgenommen. Es bedeutet einen hohen pflegerischen Anspruch, mit dementen Menschen im Alltag umzugehen. Und es sollte dieser Arbeitsalltag der Pflegenden niemals durch Arbeitsüberlastung und Hektik geprägt sein.